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Oktober 2020

 Marius Daheim, Redakteur Artikel Zinsmärkte

Neue Konjunkturrisiken durch die zweite Corona-Welle

Auf die Blitzrezession im ersten Halbjahr folgte im dritten Quartal beiderseits des Atlantik eine dynamische Wirtschaftserholung mit BIP Wachstumsraten von voraussichtlich 9% (Euroraum) bzw. 7% (USA) ggü Vorquartal. Diese startete aber von niedrigem Niveau aus und erfasst bislang nicht alle Sektoren: Tourismus, Hotel- und Gastgewerbe, Flugverkehr, Kultur- und Freizeit werden weiterhin durch die Pandemie gehemmt. Zudem drohen die erneut stark steigenden Corona-Infektionen bzw. die hiervon ausgelösten lokalen Eindämmungsmaßnahmen die wirtschaftliche Erholung der Sommermonate im vierten Quartal auszubremsen.

Zusätzliche Risiken zum Jahreswechsel stellen die US Präsidentschaftswahl und das Ende der Brexit-Übergangsfrist dar. Eine vollständige wirtschaftliche Normalisierung ist frühestens im zweiten Quartal 2021 vorstellbar sofern bis dahin ein wirksamer und sicherer Impfstoff verfügbar ist. Dann allerdings droht mit dem Auslaufen staatlicher Hilfen eine Welle von Kreditausfällen, Unternehmensinsolvenzen und Entlassungen. Im Euroraum dürfte die Wirtschaftsleistung daher erst Mitte 2022 wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen, ohne dass es dabei zu einer nennenswerten Inflationsbeschleunigung kommt.

Vor diesem Hintergrund richten sich die Erwartungen in gewohnter Manier auf die Geldpolitik. Konkret erhoffen die Kapitalmärkte von der EZB vor Jahresende eine Aufstockung der PEPP-Anleihekäufe um ca. 350 Mrd. EUR und preisen eine Einlagensatz-Senkung um 10 Bp per Juli 2021 ein. Auf US-Seite signalisiert die Fed eine Beibehaltung ihres ultra-expansiven Kurses mindestens bis 2024 - eine Politik, die angesichts der Corona-bedingten Staatsschulden-Explosion auch für EZB und BoJ "alternativlos" erscheint. Infolge der weitreichenden Notenbank-Eingriffe in die Preisfindung reagieren die Kapitalmärkte auf fundamentale Risiken nur noch kurzfristig und in gedämpfter Weise. Eine ähnliche Entwicklung deutet sich für die Devisenmärkte an, wo durch die Einebnung der Zinsdifferenzen zwischen den größten Währungsräumen ein wichtiger fundamentaler Treiber entfallen ist. EUR-USD könnte auf einen Seitwärtstrend um 1,20 einschwenken.

 

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