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Januar 2020

 Marius Daheim, Redakteur Artikel Zinsmärkte

Leitzinserwartungen treiben die transatlantische Renditedifferenz

Die seit Dezember berichteten Wirtschaftsdaten haben im Euroraum zunehmend positiv überrascht, während die US-Daten lediglich die bestehenden Markterwartungen bestätigten. Im Zuge dessen erfolgte eine leichte Anpassung der Leitzinserwartungen dergestalt, dass für die EZB per Jahresende nun ein unverändertes Zinsniveau (84% Wahrscheinlichkeit) erwartet wird, während die US-Zinsfutures für die Fed eine 25 Bp-Zinssenkung (59% Wahrscheinlichkeit) einpreisen. Diese spiegelt sich auch im Renditeverlauf wider: Während die 10J US-Treasuryrendite seit November einen flachen Abwärtstrend ausgebildet hat, ist der entsprechende Trendkanal bei der 10J Bundrendite leicht aufwärtsgerichtet. Bereits seit Nov 2018 ist der Renditevorsprung von Treasuries gegenüber Bunds im seinerzeit gleichgerichtetem Renditeabwärtstrend um 80 auf nur noch 200 Basispunkte zusammengeschmolzen. 2020 sollten die vergleichsweise günstigen US-Konjunkturaussichten der Fed eine Beibehaltung des aktuellen Leitzins-niveaus gestatten (zumal sie im Umfeld der US-Präsidentschaftswahl eine neutrale Haltung präferieren dürfte). Für die EZB dürfte die Kombination aus konjunktureller Schwäche und unterschiessender Teuerung im Jahresverlauf geldpolitischen Handlungsbedarf anzeigen. Ob sie diesen auch ausschöpft, wird wesentlich davon abhängen, inwieweit die Fiskalpolitik eine aktivere Rolle als konjunktureller Impulsgeber übernimmt. Zumindest hätte die EZB mit dem Instrument der Zinsstaffelung ein Instrument zur Hand, um die negativen Nebenwirkungen einer Einlagensatz-Senkung abzufedern.

Im Gefolge des US-chinesischen "Phase 1"-Handelsabkommens und des positiven Brexit-Votums sind die wichtigsten guten Nachrichten bereits zu Jahreswechsel eingepreist worden. Im Januar haben die Eskalation des US-Iran-Konfliktes und die Bonds-Emissionsflut die Rentenmärkte in einer prekären Balance gehalten. Wir glauben weiterhin, dass die Rendite-Aufwärtskorrektur am Bundmarkt auf den erreichten Niveaus vor dem Abschluss steht, da nun die geopolitischen und weltwirtschaftlichen Konflikte erneut in den Marktfokus rücken werden. Nicht zuletzt das EZB-Anleihekaufprogramm, das im Jahresverlauf das verfügbare Angebot an Bundesanleihen erschöpfen wird, sollte einen weiteren Anstieg der 10J Bundrendite in Richtung Nulllinie verhindern.

 

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