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April 2020

 Marius Daheim, Redakteur Artikel Zinsmärkte

Märkte preisen Positivszenario trotz wachsender Zweifel an v-förmiger Erholung

Die seit Ende Februar laufende globale COVID19-Infektionswelle konnte mittels massiver Einschränkungen des öffentlichen Lebens in den am stärksten betroffenen Ländern eingedämmt werden, hat dort jedoch einer Vollbremsung der wirtschaftlichen Aktivität geführt. Während die chinesische Wirtschaft bereits im ersten Quartal einen Einbruch um rd. 10% gegenüber dem Vorquartal verzeichnete, wird für das BIP in den USA und im Euroraum der stärkste Rückgang erst im zweiten Quartal erwartet. Die frühe und massive Reaktion der Geld- und Fiskalpolitik spricht zwar für eine dynamische, v-förmige Wachstumserholung im zweiten Halbjahr. Selbst in diesem Falle wäre aber für die Weltwirtschaft auf das Gesamtjahr gesehen eine leichte Schrumpfung der Wirtschaftsleistung zu erwarten. Aktuelle BIP-Prognosen liegen derzeit zwischen null und -7 Prozent. Diese weite Spanne spiegelt die ungewöhnlich hohe Prognose-Unsicherheit wieder. Sollte es im Herbst oder Winter - bevor ein Impfstoff verfügbar ist - zu einer zweiten Infektionswelle und damit einhergehend zu einem erneuten "Lock-down" kommen, würde die Wirtschaftsentwicklung nicht v- sondern w-förmig verlaufen und damit Werte im mittleren oder unteren Bereich dieser Spanne realisiert werden.

Ungeachtet der seit März erfolgten drastischen Verschlechterung der volkswirtschaftlichen Daten haben sich die Renten- und Aktienmärkte seit Mitte März ebenso schnell erholt wie sie zuvor eingebrochen waren und damit das Positivszenario einer v-förmigen Erholung eingepreist, an dessen Eintritt inzwischen aber Zweifel aufkommen. Im weiteren Jahresverlauf wird die Marktentwicklung von der Wirksamkeit der ergriffenen gesundheits- und fiskalpolitischen Maßnahmen abhängen. Die dabei entscheidenden Fragen sind (a) ob es nach dem wahrscheinlichen "Lock-up" im Mai zu einer zweiten Infektionswelle kommen wird und (b) wann ein Impfstoff einsatzbereit ist. Die massiv gestiegenen staatlichen Emissionsaktivitäten und die absehbar negative Schuldendynamik beeinflussen bereits jetzt die Knappheits- (Bunds) und Bonitätsprämien (bspw. italienische BTPs) und beflügeln die Kontroverse um eine Vergemeinschaftung der Schuldenaufnahme im Euroraum bzw. Schuldenerleichterungen für das hochverschuldete Italien. Die Bundrenditen dürften in den kommenden Monaten erneut fallen, bevor im späteren Jahresverlauf ein gradueller Zinsanstieg einsetzt.

 

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