Archiv

Oktober 2019

Erwartungsgetriebene Renditeaufwärtskorrektur, aber keine Trendwende

US Treasuries und europäische Staatsanleihen verzeichneten im Oktober weitere Renditeanstiege gegenüber ihren im August bzw. Anfang September jeweils erreichten Tiefstständen. Dabei fielen die berichteten US-Wirtschaftsdaten gemessen an den Konsenserwartungen leicht positiv aus, die überwiegende Mehrzahl der Euroraum-Indikatoren dagegen enttäuschend. Dass die zehnjährige Bundrendite dennoch von -0,70% auf -0,32% kletterte, erklärt sich durch die Verbesserung der Nachrichtenlage beim US-China Handelsstreit und dem Brexit, wo in beiden Fällen aufkeimende Hoffnung auf einen "Deal" die Marktstimmung und Risikoneigung der Anleger beflügelten. Angesichts der immer deutlicher sichtbaren Spaltung des EZB-Rates erfolgte zudem zeitgleich eine Korrektur der Leitzinssenkungs-Erwartungen, weshalb die zweijährige Rendite einen ebenfalls kräftigen Renditeanstieg verzeichnete und sich die Bund-Renditestruktur nur moderat versteilte.

Ungeachtet der verbesserten Marktstimmung bestehen die vielfältigen weltwirtschaftlichen Abwärtsrisiken unvermindert fort, wie zuletzt durch die schwachen Wachstumsdaten aus China belegt. In Europa und Japan unterstreichen die zunehmend negativen Nebenwirkungen der ultraexpansiven Geldpolitik und der nur geringe residuale Handlungsspielraum der Notenbanken die Notwendigkeit einer aktiveren Rolle der Fiskalpolitik als Impulsgeber. Im Europa kommt hierbei Deutschland, das als einziges großes Euro-Mitglied über fiskalpolitischen Spielraum verfügt, eine Schlüsselrolle zu, der sich zu entziehen für die Bundesregierung angesichts des wachsenden internationalen Drucks immer schwerer wird. Ein eventueller Anstieg der Bund-Emissionen dürfte in seiner zinssteigernden Wirkung durch die im November beginnenden Wertpapierkäufe der EZB überkompensiert werden. Ein neuerlicher Rückgang der Bundrenditen in Richtung der August/September-Tiefstände erscheint daher durchaus möglich- selbst wenn die EZB ihren Einlagensatz vor Jahresmitte 2020 nicht weiter senken sollte (wie zurzeit am Geldmarkt erwartet). Eine Besserung des Ausblicks für Wachstum, Inflation und Zinsniveau ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

 

Weitere Monatsberichte

Kontakt

Bild: Wir Informieren Sie gerne ausführlich.