Wie wir die Märkte sehen

November 2019

Anhaltend hohe Unsicherheit sollte stärkeren Renditeanstieg verhindern

An den US- und Euro-Rentenmärkten hat sich der im September initiierte Renditeaufwärtstrend unter stärkeren Schwankungen bis Mitte November fortgesetzt: Bereits zur Monatsmitte Oktober überschritt die 10J Bundrendite erstmals seit Ende Juli wieder die Marke -0,4%; zeitgleich durchbrach die 10J EUR Swap-Rendite die Nulllinie. Am US Treasurymarkt entwickelte sich die 10J Rendite gleichläufig zu Bunds. Allerdings verflachte sich die US Renditekurve im Zuge der Renditeabwärtskorrektur seit Mitte November um 10 Bp auf 16 Bp. Haupttreiber der Zinsentwicklung beiderseits des Atlantiks ist weiterhin der wechselhafte Nachrichtenfluss zum US-chinesischen Handelskonflikt und dem Brexit. Zweitwichtigster Marktfaktor waren die berichteten Wirtschaftsdaten, welche relativ zur Markterwartung im Euroraum insgesamt weniger enttäuschend, für die US hingegen weniger positiv überraschend ausfielen. Aufwärtsdruck auf das kurze Ende der Renditekurve übte ferner die Geldpolitik aus, da die Fed seit ihrer dritten diesjährigen Zinssenkung am 30.Oktober eine Zinspause signalisiert und die "Visibilität" der EZB unter ihrer neuen Präsidentin stark eingeschränkt ist.

Das globale Umfeld bleibt 2020 geprägt durch ein hohes Maß an Unsicherheit. Zweifelhaft ist insbesondere, ob im US Präsidentschaftswahljahr eine umfassende und abschließende Einigung im US-chinesischen Handelskonflikt erzielt werden kann. Die zunehmend negativen Nebenwirkungen der ultraexpansiven Geldpolitik im Euroraum und der nur geringe residuale Handlungsspielraum der EZB unterstreichen die Notwendigkeit einer aktiveren Rolle der Fiskalpolitik als Impulsgeber, wobei Deutschland als einzigem großen Euro-Mitglied mit fiskalpolitischen Spielraum eine Schlüsselrolle zukommt. Ein hieraus eventuell resultierender Anstieg der Bund-Emissionen dürfte in seiner zinssteigernden Wirkung aber durch die Wertpapierkäufe der EZB überkompensiert werden, so dass ein neuerlicher Rückgang der Bundrenditen in Richtung der August-Tiefstände durchaus plausibel erscheint. Auch in den US dürfte die Fiskalpolitik 2020 einen spürbaren konjunkturellen Impuls setzen. Insgesamt erscheint die Rezessionsgefahr daher in beiden Wirtschaftsräumen beherrschbar. Eine durchgreifende Besserung des Ausblicks für Wachstum, Inflation und Zinsen ist 2020 aber nicht in Sicht.

 

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