Wie wir die Märkte sehen

Dezember 2019

Rendite-Aufwärtskorrektur dürfte auf den erreichten Niveaus beendet sein.

Was im November noch aussah wie die Fortsetzung des seit September bestehenden Aufwärtstrends der Bundrenditen, stellt sich aus heutiger Sicht als Beginn eines Seitwärtstrends dar: Die zehnjährige Bundrendite handelt seit Anfang November zwischen -0,40% und -0,20%. Der extreme Konjunkturpessimismus, welcher die Renditen im August auf ihre Rekordtiefs gedrückt hatte, wurde von den seither berichteten Wirtschaftsdaten nicht bestätigt - im Gegenteil stützen diese bislang noch die Erwartung einer "sanften Landung" der europäischen Wirtschaft.
Ähnliches gilt für die USA, wo die Rezessionswahrscheinlichkeit von knapp 50% im August auf zuletzt 34% fiel und die zehnjährige US Rendite in der Spitze bis auf knapp unter 2% kletterte. Am aktuellen Rand wurde die Marktstimmung zudem beflügelt durch die Verlautbarung einer "Phase eins"-Handelsübereinkunft zwischen den USA und China sowie den klaren Sieg der Konservativen unter Boris Johnson bei der britischen Parlamentswahl. Die Rendite-Aufwärtskorrektur dürfte auf den erreichten Niveaus beendet sein, denn das globale Umfeld bleibt auch im neuen Jahr durch ein hohes Maß an Unsicherheit geprägt und steht so einem weitergehenden Anstieg der Kapitalmarktrenditen entgegen. Zweifelhaft ist vor allem, ob im US Präsidentschaftswahljahr eine umfassende und abschließende Einigung im US-chinesischen Handelskonflikt erzielt werden kann oder ob Trump nicht sogar weitere Konflikte, z.B. mit der EU, anzetteln könnte. Die Modalitäten des EU-Austritts von Großbritannien per Ende Januar 2020 sind immer noch nicht abschließend geklärt. Im Euroraum fehlt es nach wie vor an "Visibilität" der EZB-Geldpolitik unter ihrer neuen Präsidentin Lagarde; zudem ist ungewiss, in wieweit die Fiskalpolitik die vielfach geforderte und angesichts des geringen residualen geldpolitischen Handlungsspielraums dringend nötige aktivere Rolle als konjunktureller Impulsgeber spielen kann. Angesichts dieser (und zahlreicher weiterer) Risikofaktoren ist es unwahrscheinlich, dass Wachstum und Inflation beiderseits des Atlantik eine neue, renditetreibende Dynamik entfalten werden. Nicht zuletzt das EZB-Anleihekaufprogramm, welches im Jahresverlauf das verfügbare Angebot an Bundesanleihen erschöpfen wird, dürfte einen weiteren Anstieg der Bundrenditen verhindern.

 

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