Wie wir die Märkte sehen

Februar 2020

 Marius Daheim, Redakteur Artikel Zinsmärkte

Liquiditätsflut und Pandemieängste befeuern die Renten- und Aktienhausse

Seit Januar haben die berichteten Euroraum-Wirtschaftsdaten deutlich negativ überrascht; v.a. das BIP-Wachstum schwächte sich im Schlussquartal 2019 auf nur noch 0,1% zum Vorquartal ab. Dagegen übertrafen die US-Makrodaten die Markterwartung insgesamt deutlich; hier fiel v.a. der sprunghafte Anstieg des Einkaufsmanagerindex' der US Industrie im Januar auf. Während die globalen Aktienmärkte ihre liquiditätsgetriebene Rekordjagd bis zuletzt fortsetzten, erfolgte an den Rentenmärkten im Februar ein Renditerutsch - ausgelöst durch den Ausbruch der Coronavirus-Epidemie in China.

Angesichts der kontinuierlichen Verschlechterung der Nachrichtenlage wurden die Wachstumserwartungen für China teilweise deutlich zurückgenommen und gleichzeitig die Wetten auf geldpolitische Stützungsmaßnahmen leicht erhöht: Für die Fed wird nun mit 83% Wahrscheinlichkeit eine Leitzinssenkung per Jahresende eingepreist; die Wahrscheinlichkeit einer EZB-Einlagensatz-Senkung wird von den Zinsfutures derzeit bei nahe 60% gesehen. Die zehnjährigen Rentenrenditen haben sich seit Monatsbeginn in den USA bei 1,6 % und im Euroraum bei -0,4 % eingependelt - d.h. ca. 30 Basispunkte unter ihren jeweiligen Januar-Niveaus. Dabei blieb der Renditevorsprung von Treasuries gegenüber Bunds bei knapp 200 Basispunkten nahezu unverändert. Neben der Eintrübung der Konjunkturaussichten für 2020 wurden die Rentenmärkte beiderseits des Atlantik durch die fortdauernde Liquiditätsflut bzw. die Jagd nach Rendite gestützt - ablesbar an der extrem hohen Nachfrage bei Neuemissionen sowie den sinkenden Risikoprämien für Anleihen der Euro-Peripherie.

Ein neuerlicher Richtungswechsel der Rentenmärkte ist frühestens dann zu erwarten, wenn die Coronavirus-Epidemie ihren Höhepunkt überschritten hat. Aber selbst im günstigen Falle, dass die konjunkturellen Bremseffekte rasch aufgeholt werden, würde es für die USA und den Euroraum beim vorherigen moderaten Ausblick für Konjunktur und Inflation bleiben. Wir bleiben daher bei der Erwartung, dass sich der Renditeverlauf im weiteren Jahresverlauf innerhalb der etablierten Handelsspannen vollziehen wird.

 

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