Wie wir die Märkte sehen

September 2020

 Marius Daheim, Redakteur Artikel Zinsmärkte

Pandemieverlauf und Geldpolitik - dominante Impulsgeber der Kapitalmärkte

Nach der Blitzrezession im ersten Halbjahr zeichnet sich für das dritte Quartal beiderseits des Atlantik eine dynamische Wirtschaftserholung ab. Diese erfolgt aber von niedrigem Niveau aus und erfasst nicht alle Sektoren gleichermaßen. Zudem ist mit Blick auf die seit Juli stark steigenden COVID19 Infektionszahlen und zunehmenden lokaler Eindämmungsmaßnahmen zu bezweifeln, dass sich die aktuelle wirtschaftliche Dynamik bis zum Jahreswechsel fortschreiben lässt. Insbesondere der jüngste Rückfall der europäischen Dienstleistungs-PMIs unter die Expansionsschwelle deutet das Risiko einer konjunkturellen Verlangsamung im Schlussquartal an. Eine vollständigere wirtschaftliche Normalisierung ist erst ab nächstem Frühjahr vorstellbar - sofern dann ein wirksamer und sicherer Impfstoff verfügbar ist. Allerdings droht mit dem Auslaufen staatlicher Hilfen dann eine Welle von Kreditausfällen und Unternehmensinsolvenzen. Die Wirtschaftsleistung im Euroraum dürfte daher frühestens Mitte 2022 wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen.

Angesichts dessen baut sich marktseitig bereits die Erwartung weiterer geldpolitischer Impulse auf - insbesondere einer Aufstockung der Pandemie-Anleihekäufe sowie einer Einlagensatz-Senkung durch die EZB, welche den Aufwertungsdruck auf den Euro mindern soll. Auf US-Seite hat sich die Fed mit ihrer im August verabschiedeten neuen geldpolitischen Strategie weiten Spielraum geschaffen, um ihre Nullzinspolitik auf Jahre hinaus fortzuführen. Angesichts der ausufernden staatlichen Schuldenberge dürfte diese Politik auch für EZB und BoJ "alternativlos" sein.

Vor diesem Hintergrund kaum überraschend, vollzieht sich die Kapitalmarktentwicklung weitgehend losgelöst von wirtschaftlichen und politischen Fundamentaldaten. Dies gilt vor allem für die Rentenmärkte, die sich dem Diktat der Geldpolitik vollständig ergeben haben und selbst nach Ende der Sommerflaute und trotz der sich belebenden Emissionstätigkeit in einer engen Seitwärts-Range handeln. Nur wenig mehr Eigenleben beweisen die Aktienmärkte (die ja indirekt ebenfalls durch die Geldpolitik gestützt werden): Hier war in der ersten Septemberhälfte immerhin eine kleine Kurskorrektur zu beobachten, die allerdings schnell durch die "Alternativlosigkeit" der Assetklasse ausgebremst wurde.

 

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